anonym u-bahn fahren.

wieviele der leute, die täglich in u-bahn-waggons sitzen oder durch belebte straßen gehen müssen, um an einen gewohnten ort zurückzukehren, kennen diesen zustand des unwohlseins? sich ständig beobachtet zu fühlen? heute in der u-bahn. jeder mensch sieht doch täglich tausende leute. darunter sind nur zwei, drei vertraute gesichter, die meisten anderen bemerkt man gar nicht. den zeitungsverkäufer oder die alte frau, die gerne einen sitzplatz hätte. oder die vielen schulkinder. tauschen sich von station zu station aus, doch das gefühl bleibt das gleiche. also lieber anonym sein, sich in eine zeitung verkriechen oder die ohren mit musik zustöpseln. in den dunklen tunnel hinausschauen. denn die, die starren, sind unheimlich. manche bohren in der nase oder streichen sich über die schweißnasse stirn. in der nächsten minute benützen sie die haltegriffe oder den türöffner. ein mulmiges gefühl. und warum ist es mir nicht egal? oder heute in der supermarktdrehtür. die zwei punks sprechen mich an, weil ich mich "dazugedrängt" hätte. ich "tussi". tussi? hm. warum wirken menschen, die man nicht kennt, von vornherein so fremd? war das nicht mal anders? gab es früher nicht auch u-bahn-fahrten, während denen ich andere leute angelächelt habe, ohne gleich meine anonymität (!) aufs spiel zu setzen (!!!)? was für eine frage! es ist ein merkwürdiges verhalten, das offensichtlich alle in einer gewissen form an den tag legen.
älva - 29. September, 14:43





Da steht dann einer im Waggon und schreit irgendwelche Parolen um sich und die anderen tun so als hätten sie nix bemerkt, weil das Buch so spannend ist. Und wehe wer aufblickt - der hat verloren.